JavaScript is required

Instrumentenpflege

Die meisten Schäden, die bei uns auf der Werkbank landen, entstehen nicht beim Spielen, sondern danach: im Kasten, im Auto, an der Heizung. Hier steht, was ein Streichinstrument im Alltag wirklich braucht – für Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass.

Nach dem Spielen: deine drei Schritte

Dieselben drei Schritte stehen auf dem Stickerbogen aus unserer Werkstatt.

Abwischen

1. Abwischen

Wisch Saiten und Decke mit einem trockenen Mikrofasertuch ab.

Bogen lockern

2. Bogen lockern

Dreh die Schraube auf. Und fass die Bogenhaare nie mit den Fingern an.

Ab in den Kasten

3. Ab in den Kasten

Alles in den Kasten. Und der bleibt weg von Heizung, Sonne und Auto.

Für Eltern

Alles Weitere, was das Instrument im Alltag braucht.

01

Die Griffbrett-Punkte

Die kleinen Klebepunkte auf dem Griffbrett zeigen dem Kind, wo die Finger hingehören. Sie lassen sich rückstandsfrei wieder abziehen.

Gesetzt werden sie von der Lehrkraft. Die richtige Position hängt von Kind und Instrument ab und ist eine Sache von Millimetern – ein selbst gesetzter Punkt übt eine falsche Intonation ein. Zum Ablösen keinen Alkohol und keine Lösungsmittel verwenden: Die Punkte gehen trocken ab, etwaige Reste entfernen wir in der Werkstatt. Nachschub bekommen Sie bei uns.

02

Stimmen: Feinstimmer ja, Wirbel nein

Feinstimmer (die kleinen Schrauben am Saitenhalter) darf jeder bedienen. Zwei Regeln: in kleinen Schritten drehen – und nie mit Kraft weiterdrehen, wenn die Schraube unten aufsitzt. Sonst drückt der Hebel des Feinstimmers auf die Decke und hinterlässt einen Abdruck im Lack, im schlimmsten Fall einen Riss. Ist eine Schraube ganz unten angekommen, muss sie zurückgedreht und die Saite am Wirbel nachgestimmt werden – das ist dann Sache der Lehrkraft.

Wirbel sind bei Anfängern Sache der Lehrkraft oder der Werkstatt. Ein Wirbel wird beim Drehen immer gleichzeitig in den Wirbelkasten hineingedrückt, sonst hält er nicht. Ruckartiges Drehen lässt Saiten reißen und kann den Wirbelkasten spalten.

Wenn ein Wirbel klemmt oder immer wieder rutscht, liegt das meist an der Luftfeuchte, nicht am Kind. Bitte keine Hausmittel – keine Seife, keine Kreide, kein Haarspray. Kommen Sie vorbei, das ist in zehn Minuten erledigt.

03

Der Bogen

Der Bogen ist das empfindlichste und am häufigsten beschädigte Teil der Ausstattung.

Hand löst die Spannschraube am Frosch eines GeigenbogensRichtig gespannt
So ist es richtig
Zu stark gespannter GeigenbogenÜberspannt
So nicht

Spannen:
nur so weit, dass zwischen Haaren und Stange in der Mitte etwa ein Bleistift Platz hat. Die Stange bleibt dabei zu den Haaren hin gebogen. Ist sie gerade oder wölbt sie sich von den Haaren weg, ist der Bogen deutlich überspannt – das verzieht die Stange dauerhaft und ist der häufigste Grund, warum ein Schülerbogen vorzeitig ersetzt werden muss.

Lockern:
nach jedem Spielen, ohne Ausnahme. Rosshaar zieht sich bei trockener Luft zusammen; ein gespannt weggelegter Bogen steht über Nacht unter wachsendem Zug und verliert seine Biegung.

Haare nicht anfassen:
Wo Hautfett auf die Haare kommt, nehmen sie kein Kolophonium mehr an, und die Stelle greift nicht mehr. Das lässt sich nur mit einer Neubehaarung beheben.

Schraube nicht ganz herausdrehen – sonst fällt der Frosch ab, und der kleine Keil, der die Haare hält, geht verloren.

04

In den Kasten kommt nur das Instrument

Schulterstütze abSchulterstütze ab
So ist es richtig
Schulterstuetze bleibt dranSchulterstütze bleibt dran
So nicht

Die Schulterstütze wird immer abgenommen. Bleibt sie dran, liegt das Instrument zu hoch im Kasten, und der Deckel drückt beim Schließen auf die Decke: erst Druckstellen im Lack, bei kleinen Instrumenten auch Risse.

Ebenfalls nicht in den Kasten: Notenhefte, Stimmgeräte, Schlüssel, lose Bleistifte. Alles, was frei liegt, wandert beim Tragen auf die Decke. Das Kolophonium gehört in sein Fach – ein loses Stück zerkratzt zuverlässig den Lack.

Und: Reißverschluss ganz schließen beziehungsweise beide Schlösser einrasten lassen, bevor der Kasten hochgehoben wird. Der Kasten, der beim Anheben aufklappt, ist der häufigste Totalschaden überhaupt.

05

Hitze, Kälte und trockene Heizungsluft

Auto:
nie. Auch nicht „nur eine halbe Stunde“. Ein Innenraum erreicht im Sommer 60 bis 70 °C. Streichinstrumente sind mit Hautleim gebaut, der bei Hitze nachgibt – Leimfugen öffnen sich, das Griffbrett kann sich lösen, und der Lack wird so weich, dass er den Abdruck des Kastenfutters annimmt. Im Winter gilt dasselbe für das kalte Auto: Kälte und der Temperatursprung danach lassen Lack und Holz reißen.

Zu Hause:
nicht neben die Heizung, nicht auf die Fensterbank, nicht in die pralle Sonne.

Nach dem Transport im Winter:
den Kasten 20 bis 30 Minuten geschlossen im Zimmer stehen lassen, bevor Sie ihn öffnen. Sonst schlägt sich Kondenswasser auf dem kalten Lack nieder.

Luftfeuchte:
Ideal sind 40 bis 60 Prozent. In der Heizperiode fällt sie in vielen Wohnungen unter 30 Prozent, und dann arbeitet das Holz: Wirbel rutschen, Leimfugen öffnen sich, im schlimmsten Fall reißt die Decke. Zur Kontrolle genügt ein Hygrometer für wenige Euro in dem Zimmer, in dem das Instrument liegt. Ist es dauerhaft zu trocken, befeuchten Sie lieber den Raum als den Kasten – Schwammbefeuchter im Kasten richten mehr Schaden an, als sie nützen, sobald sie tropfen.

Warnzeichen für zu trockene Luft:
Das Instrument verstimmt sich plötzlich stark, Wirbel halten nicht mehr oder es schnarrt beim Spielen an einer Stelle.

06

Haustiere

Hunde- und Katzenhaare sind die hartnäckigste Verschmutzung, die uns an Mietinstrumenten begegnet. Sie setzen sich im Futter des Kastens fest, geraten durch die F-Löcher ins Innere des Instruments und verkleben mit dem Kolophoniumstaub auf Decke und Bogenhaaren. Absaugen genügt dann nicht – das ist Handarbeit und dauert.

Deshalb: Der Kasten bleibt geschlossen, sobald niemand spielt, und das Instrument wird nicht dort abgelegt, wo das Tier liegt – Sofa, Teppich, Bett.

Kommt ein Instrument mit Tierhaaren in die Werkstatt, reinigen wir es gründlich und stellen diese Reinigung in jedem Fall in Rechnung.

07

Kolophonium: weniger ist mehr

Ein neuer oder frisch behaarter Bogen braucht anfangs mehrere Durchgänge, bis er greift. Danach reichen ein paar Striche pro Woche – nicht vor jedem Üben.

Zu viel Kolophonium erkennt man am weißen Staub auf Decke und Saiten und an einem kratzigen, rauen Ton. Der Staub backt mit der Zeit im Lack fest und lässt sich dann nur noch in der Werkstatt entfernen. Genau deshalb ist „Abwischen“ Schritt eins.

Kolophonium nie am Griffbrett oder am Lack abreiben. Und nicht fallen lassen – es zerspringt.

08

Was sich abnutzt: Saiten und Bogenhaare

Saiten halten je nach Spielzeit etwa neun bis zwölf Monate. Danach klingen sie dumpf, sprechen schlechter an und lassen sich nicht mehr rein stimmen – oft wird das für ein Problem des Kindes gehalten, obwohl es an den Saiten liegt. Unsere Mietinstrumente sind mit Larsen Aurora besaitet; damit besaiten wir auch beim Wechsel wieder.

Bogenhaare verlieren nach ein bis zwei Jahren ihren Griff, bei viel Üben früher. Einzelne gerissene Haare sind normal – bitte nicht herausziehen, sondern an beiden Enden dicht abschneiden, am Frosch und an der Spitze. Greift der Bogen trotz frischem Kolophonium nicht mehr, ist eine Neubehaarung fällig.

Beides ist normaler Verschleiß und im Mietpreis nicht enthalten: Neue Saiten und eine Neubehaarung werden nach § 5 des Mietvertrags berechnet. Den Wechsel machen wir in der eigenen Werkstatt, in der Regel am selben oder am nächsten Tag.

09

Cello und Kontrabass

Stachel eingefahrenStachel eingefahren
So ist es richtig
Stachel ausgefahrenStachel ausgefahren
So nicht

Der Stachel wird nach jedem Spielen ganz eingefahren und festgestellt. Ein ausgefahrener Stachel verbiegt sich beim ersten Anstoßen und hinterlässt Löcher in Parkett, Teppich und Schienbeinen.

Tragen:
nie am Hals allein. Eine Hand am Hals, eine unter dem Korpus – oder gleich in der Tasche.

Abstellen:
nie an die Wand lehnen. Ein kippendes Cello bricht typischerweise am Hals oder am Wirbelkasten – eine der teuersten Reparaturen überhaupt. Wenn es liegen muss, dann auf der Seite auf den Zargen, nie mit dem Steg nach unten.

Kontrabass:
nie an Schnecke oder Wirbelkasten anheben oder ziehen; der Hals ist dafür nicht gebaut.

10

Was Sie bitte nicht selbst machen

Steg senkrechtSteg senkrecht
So ist es richtig
Steg nach vorn gezogenSteg nach vorn gezogen
So nicht

Den Steg richten. Der Steg wandert beim Stimmen langsam in Richtung Griffbrett und muss senkrecht stehen. Ihn zurückzustellen sieht einfach aus und endet regelmäßig damit, dass er umfällt – und dann kippt oft auch der Stimmstock im Inneren um. Kommen Sie vorbei, das dauert fünf Minuten und kostet nichts.

Weiterspielen, wenn es innen klappert. Das ist meist der umgefallene Stimmstock. Saiten sofort entspannen und das Instrument zu uns bringen.

Kleben. Nie Sekundenkleber, nie Holzleim aus dem Baumarkt. Instrumente sind mit Hautleim gebaut, damit sie sich zerstörungsfrei wieder öffnen lassen. Ein Tropfen Sekundenkleber macht aus einer Zwanzig-Minuten-Reparatur einen Fall von mehreren Stunden.

Putzen mit irgendetwas anderem als einem trockenen Tuch. Kein Alkohol, kein Spiritus, keine Möbelpolitur, kein Spülmittel, kein „Geigenreiniger“ aus dem Internet. Alkohol greift den Lack sofort an, und das lässt sich nicht rückgängig machen.

Saiten selbst aufziehen. Bei kleinen Instrumenten ist das der sicherste Weg zu einem verrutschten Steg und einem umgefallenen Stimmstock. Reißt eine Saite, bringen Sie das Instrument einfach vorbei.

11

Wenn doch etwas passiert

Nicht weiterspielen, nichts kleben, alle Teile aufheben – auch Splitter. Kasten schließen und anrufen: 0711 470 37 37 .

Wir reparieren in der eigenen Werkstatt, meist innerhalb von ein bis zwei Tagen, Kleinigkeiten oft sofort. Was bei Schäden an Mietinstrumenten gilt, regelt der Mietvertrag.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach jedem Spielen: abwischen, Bogen lockern, in den Kasten.
  • Kein Auto, keine Heizung, keine Fensterbank.
  • Schulterstütze abnehmen, nichts Loses in den Kasten.
  • Bogen nur bis Bleistiftdicke spannen, Haare nicht anfassen.
  • Wirbel, Steg und Stimmstock sind unsere Sache – kommen Sie einfach vorbei.
  • Bei Cello und Kontrabass: Stachel immer einfahren.
  • Haustiere: Kasten geschlossen halten – die Tierhaar-Reinigung wird berechnet.

Unsicher, ob etwas in Ordnung ist?

Bringen Sie das Instrument vorbei. Eine kurze Durchsicht während der Öffnungszeiten kostet nichts und dauert meist wenige Minuten.